Verrückt - völlig!!!
Solche Geschichten habe ich schon manchmal gelesen, sie aber immer für mehr oder weniger geschickte Erfindungen gehalten. Nun ist es mir selber passiert.
Heute früh um kurz nach acht läutete es am Tor. Ein kurzes, zaghaftes Läuten. Zu zaghaft für alle üblichen Besucher, die zu dieser Zeit an meiner Tür stehen könnten. Ein ungewöhnliches Läuten und es erregte meine Neugier. Zum Glück, denn manches Mal, wenn ich grade mitten in der Arbeit stecke, mache ich mir nicht die Mühe des Aufstehens und Hinaushinkens. Dieses Mal also stakste ich, neugierig geworden, die paar Stufen hinunter, rief mein übliches "Komme schon" und fand einen alten Mann vorm Tor stehen. Ich kenne ihn, sehe ihn immer wieder im Dorf. Man redet über ihn, weil ihm anscheinend seine Frau weggelaufen ist vor ein paar Jahren. Er hielt in jeder Hand eine Stofftasche. Nach einem prüfenden Blick hielt er mir die beiden Beutel entgegen.
"Sie müssen sie nehmen, ich weiß sonst niemanden dem ich sie geben könnte. Man muss das alles richtig aufschreiben. Ich hab im Blättle gelesen, dass sie Bücher schreiben."
"Was ist das?", fragte ich ihn verblüfft.
"Das sind die Hefte von der Gisela"
"Gisela?"
"Meine Frau", er sah mich flehend an. Ich nahm ihm die Beutel ab und bat ihn herein, aber er schüttelte den Kopf.
"Ich muss weiter, es gibt noch viel zu schaffen"
"Kommen Sie doch nochmal wenn Sie ein bißchen Zeit haben", forderte ich ihn auf.
"Mal sehen, vielleicht", sagte er über die Schulter, und stapfte davon.
Völlig verdattert schleppte ich die schweren Beutel in die Wohnung. Sie enthielten Hefte in allen möglichen Größen, Farben und in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Schulhefte hauptsächlich, aber auch alte Kassenbücher und gebundene Kladden. Innen auf der ersten Seite waren jeweils sorgfältig die Daten notiert wann das Heft begonnen, und wann es beendet wurde.
Ich ertappte mich dabei, dass ich unausgesetzt mit dem Kopf schüttelte. Ich hatte gute Lust, einfach draufloszulesen. Die Schrift war gestochen scharf und schulmäßig. Doch ich zügelte meine Neugier und sortierte die Hefte zunächst chronologisch. Dann schlug ich das erste auf und begann zu lesen:
"Ich muss es aufschreiben, weil ich mir das, was geschehen ist, fast selber nicht glaube. Ich erwarte deshalb auch von niemandem, dass er mir das abnehmen würde, was ich erlebt habe und noch erlebe. Es ist so verrückt, dass man mich sofort in die Klapsmühle bringen würde, wenn ich auch nur ein einziges Wort darüber verliere. Seit der Operation geht das nun so, und es vergeht kein Tag, an dem nicht Unerwartetes geschieht."
Ich habe das erste Heft gerade eben zur Seite gelegt. Es ist ein Din A5 Schulheft, kariert. Die ersten beiden Seiten sind herausgerissen worden, ihre Hinterteile sind am Ende des Heftes mit Klebstreifen befestigt. In meinem Kopf geht alles durcheinander und ich muss erst einmal nach draußen in die Sonne gehen und versuchen, das Gelesene irgendwie einzuordnen.
Bald mehr.
Heute früh um kurz nach acht läutete es am Tor. Ein kurzes, zaghaftes Läuten. Zu zaghaft für alle üblichen Besucher, die zu dieser Zeit an meiner Tür stehen könnten. Ein ungewöhnliches Läuten und es erregte meine Neugier. Zum Glück, denn manches Mal, wenn ich grade mitten in der Arbeit stecke, mache ich mir nicht die Mühe des Aufstehens und Hinaushinkens. Dieses Mal also stakste ich, neugierig geworden, die paar Stufen hinunter, rief mein übliches "Komme schon" und fand einen alten Mann vorm Tor stehen. Ich kenne ihn, sehe ihn immer wieder im Dorf. Man redet über ihn, weil ihm anscheinend seine Frau weggelaufen ist vor ein paar Jahren. Er hielt in jeder Hand eine Stofftasche. Nach einem prüfenden Blick hielt er mir die beiden Beutel entgegen.
"Sie müssen sie nehmen, ich weiß sonst niemanden dem ich sie geben könnte. Man muss das alles richtig aufschreiben. Ich hab im Blättle gelesen, dass sie Bücher schreiben."
"Was ist das?", fragte ich ihn verblüfft.
"Das sind die Hefte von der Gisela"
"Gisela?"
"Meine Frau", er sah mich flehend an. Ich nahm ihm die Beutel ab und bat ihn herein, aber er schüttelte den Kopf.
"Ich muss weiter, es gibt noch viel zu schaffen"
"Kommen Sie doch nochmal wenn Sie ein bißchen Zeit haben", forderte ich ihn auf.
"Mal sehen, vielleicht", sagte er über die Schulter, und stapfte davon.
Völlig verdattert schleppte ich die schweren Beutel in die Wohnung. Sie enthielten Hefte in allen möglichen Größen, Farben und in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Schulhefte hauptsächlich, aber auch alte Kassenbücher und gebundene Kladden. Innen auf der ersten Seite waren jeweils sorgfältig die Daten notiert wann das Heft begonnen, und wann es beendet wurde.
Ich ertappte mich dabei, dass ich unausgesetzt mit dem Kopf schüttelte. Ich hatte gute Lust, einfach draufloszulesen. Die Schrift war gestochen scharf und schulmäßig. Doch ich zügelte meine Neugier und sortierte die Hefte zunächst chronologisch. Dann schlug ich das erste auf und begann zu lesen:
"Ich muss es aufschreiben, weil ich mir das, was geschehen ist, fast selber nicht glaube. Ich erwarte deshalb auch von niemandem, dass er mir das abnehmen würde, was ich erlebt habe und noch erlebe. Es ist so verrückt, dass man mich sofort in die Klapsmühle bringen würde, wenn ich auch nur ein einziges Wort darüber verliere. Seit der Operation geht das nun so, und es vergeht kein Tag, an dem nicht Unerwartetes geschieht."
Ich habe das erste Heft gerade eben zur Seite gelegt. Es ist ein Din A5 Schulheft, kariert. Die ersten beiden Seiten sind herausgerissen worden, ihre Hinterteile sind am Ende des Heftes mit Klebstreifen befestigt. In meinem Kopf geht alles durcheinander und ich muss erst einmal nach draußen in die Sonne gehen und versuchen, das Gelesene irgendwie einzuordnen.
Bald mehr.
Angela Hornbogen - Merkl - 21. Mrz, 09:39





